7. Fastenbrief – Was das Sozialrecht niemals leisten kann und was den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ausmacht

In den vergangenen sechs Fastenbriefen zum Thema Kinderarmut haben wir uns fast ausschließlich mit der materiellen Armut und deren negative Folgen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beschäftigt.

Aber auch die Armut an Werten und sittlichen Verhaltensnormen schränkt die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen teils massiv ein. In unserer deutschen Gesellschaft herrschen Rahmenbedingungen, die es Eltern sehr schwierig machen, Kinder zu erziehen, ihnen Geborgenheit zu geben und in ihrer Entwicklung zu begleiten.  Dabei ist „die Pflege und Erziehung der Kinder sowohl natürliches Recht als auch die zuförderst obliegende Pflicht“ der Eltern (Art. 6 Abs. 2 Grundgesetz). Und: „Jede Mutter hat Anspruch auf Schutz und Fürsorge der Gemeinschaft.“ (Art 6 Abs 4 Grundgesetz).

Dennoch herrschen in Deutschland Arbeitsbedingungen und Preise auf dem Wohnungsmarkt, die viele Eltern massiv unter Druck setzen und sie dadurch nur sehr wenig Zeit und emotionale Kraft für ihre Kinder haben. Für die emotionale und körperliche Gesundheit der Kinder ist entspannte gemeinsame Familienzeit eine  wichtige Grundlage. Aber viele Familien können diese kaum noch erleben, da die Eltern sich vordringlich mit der Sicherung der materiellen Existenz widmen müssen.

Die massiven Ängste vieler Eltern um die materielle Existenz verursacht immer häufiger Mangel an emotionaler Kraft, die nötig wäre, um den Kindern Geborgenheit, Wärme und Vorbild zu geben. Durch den Verlust an positiven Vorbildern, verarmen die Kinder auch in Bezug auf Werte. Es entsteht ein chronischer Mangel an Rücksichtnahme und Verantwortung für seine Mitmenschen.

Darum muss unsere Gesellschaft für Eltern materielle Sicherheiten schaffen, damit diese für ihre Kindern positive Vorbilder sein können und sie in ihrer Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit fördern können (vergl. § 1 SGB VIII Abs. 1).

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