4. Fastenbrief – Kinderzuschlag/Kindergeld

Der Kinderzuschlag steht den Eltern zu, die zwar ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten können, aber den ihrer Kinder nicht gesichert sehen. Durch ihn sollen den Kindern die negativen Auswirkungen eines ALG II – Bezugs erspart werden. Zugleich soll es auch den Anreiz für die Eltern erhöhen, erwerbstätig zu sein.

Diese Ziele klingen sinnvoll und gut. Aus unserem Beratungsalltag mit Familien wissen wir aber, dass mit dem Kinderzuschlag auch etliche Probleme verbunden sind.

Die bürokratische Aufwand rund um die Sozialleistung ist enorm hoch und es dauert oft wochenlang bis über die gestellten Anträge entschieden ist. Besonders problematisch erscheint es uns auch, dass bereits geleisteter Kinderzuschlag von den Familien häufig zurück bezahlt werden muss, da ihr Einkommen höher oder auch niedriger war als ursprünglich angenommen. Dadurch kommt es zu Schulden der Familien bei den Familienkassen und die Familien kommen in eine finanzielle Zwickmühle anstatt eine Unterstützung zu finden.

Besonders belastend ist auch das ständige Wechseln der Zuständigkeiten zwischen Jobcenter und Familienkasse bei der Gewährung von Sozialleistungen: Wenn ein Familienvater z. B. monatlich in der Höhe schwankendes Einkommen erhält, kann es sein, dass die Zuständigkeit monatlich wechselt, je nachdem, wie viele Stunden er gerade im Monat gearbeitet hat. Denn wer zu wenig und auch wer zu viel Geld verdient, erhält keinen Kinderzuschlag mehr.

Viele Familien entscheiden sich mittlerweile dazu, diese Leistung nicht mehr zu beantragen, weil sie den beständigen Kampf mit der Bürokratie und der Angst vor der Schuldenfalle (wegen Rückforderungen der Familienkasse) nicht mehr Stand halten. Nach neueren Studien erhalten ca. 70 % der rechnerisch Anspruchsberechtigten keinen Kinderzuschlag.

Durch diese Probleme wird die Kraft zur Erwerbstätigkeit der Eltern systematisch demontiert, anstatt zu belohnen und zu unterstützen.

Um Kinder vor Armut und negativen Auswirkungen eines ALG II-Bezuges zu schützen, wäre eine Grundsicherung für Kinder sicherlich die gezieltere Lösung, die auch nicht teurer als der Flickenteppich aus Kindergeld, Kinderzuschlag, aufstockendes ALG II und Kinderfreibetrag bei Einkommenssteuer sein würde.

Nähere Infos unter www.diakonie-weinsberg.de

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