6. Fastenbrief: Alltagsbewältigung und Würde

Zum Alltag gehören alle Aufgaben, die immer wieder erledigt werden müssen, damit ein gesichertes und geordnetes Leben ermöglicht wird. Wer aber bereits von einfachen, immer wieder kehrenden Anforderungen des Alltags überfordert ist, der erlebt sich als hilflos und der Welt ausgeliefert. Er fühlt sich in seinem Selbstwertgefühl angegriffen. Dieses Gefühl der Abwertung wird heftig verstärkt, wenn Nachbarn oder Angehörige ihr Unverständnis und ihren Unmut zum Ausdruck bringen „Nun ist sie schon den ganzen Tag zu Hause, und sie kocht ihren Kindern immer noch nichts zu Mittag. Sie hat doch genügend Zeit dazu!“ Diesen Satz musste z.B. eine mir bekannte arbeitslose alleinerziehende Mutter anhören, die an einer chronischen Depression erkrankt ist. Solche Bewertungen drücken depressiv veranlagte Menschen noch tiefer in ihre Erkrankung.

Daher besprechen wir in der Sozial- und Lebensberatung mit unseren Klienten, in welchen Lebensbereichen sie gute und funktionierende Möglichkeiten zur Alltagsbewältigung gefunden haben, damit sie diese positiven Erfahrungen auch auf andere Alltagsbereiche ausweiten können

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