2. Fastenbrief: Sinnstiftende Aufgaben und Würde

In manchen Gesprächen, die ich als Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle führe, höre ich immer wieder die Meinung, dass Menschen, die von Sozialhilfe oder Hartz IV leben, ja gar nicht arbeiten wollten. Ich erlebe das anders. Ich sehe die große seelische Not, die durch die Arbeitslosigkeit und die daraus resultierende Abhängigkeit von Sozialleistungen entsteht.

Ich begleitete über viele Monate hinweg einen psychisch beeinträchtigten Mann, dem es äußerst wichtig war, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Hoffnungsvoll schrieb er immer wieder neue Bewerbungen. Seine psychische Erkrankung war jedoch so offensichtlich, dass seine vielen Bewerbungen erfolglos blieben. Einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente wollte er jedoch nicht stellen. Er wollte arbeiten, er wollte etwas leisten, er wollte nicht auf Kosten der Allgemeinheit leben. Die Arbeitslosigkeit nagte an seinem Selbstbild und er fühlte sich in seiner Würde verletzt.

So wie ihm geht es vielen Menschen, die in der Diakonischen Bezirksstelle Sozial- und Lebensberatung suchen.

Die Würde des Menschen hängt nicht an der Erwerbsarbeit, auch wenn dies manche Menschen meinen. Sinnstiftende Tätigkeiten können auch außerhalb der Erwerbsarbeit gefunden werden: Ich denke an die vielen Ehrenamtlichen, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen engagieren. Nicht jeder ist zwar für jede Arbeit geeignet. Wir von der Diakonischen Bezirksstelle versuchen aber gerne, für die unterschiedlichen Menschen eine passende Aufgabe –gerade im Ehrenamt – zu finden. Denn gerade im Ehrenamt kann eine sinnvolle Aufgabe ausgeübt werden.

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