1. Fastenbrief: Selbstbestimmung und Würde

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

So steht es im ersten Artikel unsers Grundgesetzes. Diesem Leitsatz folgt auch der erste Paragraph des SGB II (Grundsicherung für Arbeitssuchende/ „Hartz IV-Gesetz“):
§ 1 Absatz 1 lautet: „Die Grundsicherung für Arbeitssuchende soll es Leistungsberechtigten ermöglichen, ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht.“

Zur Würde des Menschen gehört auch, dass man über sein eigenes Leben selbst bestimmen darf und darin Unterstützung erfährt. Dies wird in der Arbeit mit Behinderten oder auch mit alten und sterbenden Menschen nicht mehr in Frage gestellt, auch wenn weiterhin in unserer Gesellschaft darum gerungen wird, wie diese Selbstbestimmung im Alltag umgesetzt werden kann.

Auch im Alltag von Hartz-IV-Empfängern ist es notwendig, sich hierzu Gedanken zu machen:

Wer immer wieder erleben muss, dass eigene Lebensziele und die eigene Lebensplanung an starren, lebensfernen Richtlinien aus Nürnberg (Bundesagentur für Arbeit) scheitern, der fühlt sich hierdurch oftmals abgewertet und als Mensch zweiter Klasse. Ich möchte hierzu ein Beispiel geben: Ein Mann mit leichter Lernbehinderung hatte einen „1,- Euro-Job“, der ihm sehr gut gefiel. Er ging dort sehr gerne und regelmäßig zur Arbeit. Auch der Arbeitgeber war mit seiner Leistung sehr zufrieden. Wegen einer Richtlinie der Bundesagentur durfte er diese Arbeit nicht behalten. An den Arbeitsstellen, die ihm danach angeboten wurden, war er jedes Mal überfordert und musste diese nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Dies war mit vielen Frustrationen für den betroffenen ALG II-Empfänger und viel Ärger für die jeweiligen Arbeitgeber verbunden.

 

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