Einander begegnen, miteinander feiern

Schon früh am Morgen des  2. Oktober 2011 herrschte rege Betriebsamkeit in der August-Läpple-Straße in Weinsberg. Das THW (Technisches Hilfswerk) rückte an, um ein Zelt aufzubauen, Helfer und Anwohner stellten Bänke und Tische auf, die von Aysun Kocak und Angela Rosnow mit Tischdecken versehen und herbstlich geschmückt wurden. Unter offenen Pavillons arrangierten die Elternmultiplikatorinnen Aynur Aydogmus und Zerah Kocak ein interkulturelles Büfett, für das nach und nach Anwohnerinnen der August-Läpple-Straße und engagierte Weinsberger selbstgemachte Salate, Börek, gefüllte Weinblätter und andere Köstlichkeiten brachten. Daneben fanden leckere Kuchen ihren Platz. Und selbstverständlich durften auch türkischer Tee und Kaffee nicht fehlen.

Auf dem Parkplatz vor Haus Nummer 9 hatten derweil Adelheid Antlauf von der JuLe (Jugendhilfe im Lebensfeld), Brigitte Moll von der Stauferwerkrealschule und Ulrike Wester von der Beratungsstelle für Familie und Jugend mit drei jugendlichen Helferinnen ein buntes Angebot zum Spielen und Basteln für die Kinder vorbereitet.

Bürgermeister Stefan Thome (Mitte) eröffnet zusammen mit Yilmaz Kocak, Mitglied beim „Runden Tisch Migration“ (links) und Ursula Richter, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Weinsberg, das Fest der Kulturen.

Als um 12.30 Uhr Ursula Richter, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Weinsberg, das erste Fest der Kulturen offiziell eröffnete, war das, was sie sich mit dieser Veranstaltung erhofft hatte – Begegnung und Gemeinschaft –, bereits in vollem Gange. Anwohnerinnen und Anwohner saßen mit Freunden und Bürgerinnen Weinsbergs zusammen, aßen und tranken, redeten und lernten einander auf diese Weise besser kennen.

Bürgermeister Stefan Thoma sagte: „Das Fest der Kulturen ist mehr als ein Straßenfest. Es führt Menschen zusammen und verbessert das Miteinander.“ Yilmaz Kocak, Anwohner und Mitglied beim „Runden Tisch Migration“, begrüßte die Gäste auf Deutsch und Türkisch und sagte: „Ich wünsche mir, dass dieses Fest auch im nächsten Jahr stattfinden kann.“

Sechs Mädchen erfreuten das Publikum mit traditionellen türkischen Tänzen.

Das Programm startete anmutig mit sechs farbenfroh gekleideten Mädchen, die traditionelle türkische Tänze zeigten. Im Zelt erzählten Elisabeth Loew aus Siebenbürgen, Irene Baranzew aus Kasachstan und Selda Otorucu aus der Türkei „Koffergeschichten“: Erinnerungen an ihre Heimat und die erste Zeit im fremden Deutschland, die sie den Zuhörern mit Gegenständen und Bildern anschaulich machten.

Viel Beifall bekamen die 47 Sängerinnen und Sänger des Chores der Grundschule am Grasigen Hag.

Mit großem Beifall belohnt wurde der Auftritt von 47 Sängerinnen und Sängern des Chores der Grundschule am Grasigen Hag, geleitet und auf dem Akkordeon begleitet von Rektor Levin Lüftner. Sie sangen „Ich bin anders als du …“, nahmen das Publikum in Paule Puhmanns Paddelboot mit auf eine Reise um die Welt und luden bei „Bruder Jakob“ zum Mitsingen im Kanon ein.

Koffergeschichten: Selda Otorucu (sitzend, links) erzählt von ihrer türkischen Heimat und ihrem jetzigen Leben in Weinsberg.

Am Nachmittag verwandelte sich das Zelt in ein Märchenland. Angela Rosnow und Jutta Trumpfheller, Lehrerin an der Grundschule am Grasigen Hag, lasen russische Märchen auf Russisch und Deutsch vor, Zehra Kocak und Dagmar Degen, Leiterin der Deutschkurse „Mama übt Deutsch“, Geschichten von Nasreddin Hodscha auf Türkisch und Deutsch.

Dann war es auch schon Zeit zum Abbauen und Aufräumen. Viele fleißige Hände sorgten dafür, dass die Wiese, die Straße und die Parkplätze wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wurden. Bald zeugten nur noch die von den Kindern mit Kreide auf die Straße gemalten Bilder davon, dass hier mehrere hundert Menschen unterschiedlichster Herkunft bei strahlendem Sonnenschein gemeinsam einen schönen Sonntag verbracht haben.

Die Idee für das Stadtteilfest entstand beim „Runden Tisch Migration“, an dem verschiedene Institutionen beteiligt sind, beispielsweise die Stadt Weinsberg, die Weinsberger Schulen, die JuLe (Jugendhilfe im Lebensfeld) und viele andere. Organisiert wurde das Fest von der Diakonischen Bezirksstelle mit tatkräftiger Unterstützung von Weinsberger Elternmultiplikatorinnen und natürlich den AnwohnerInnen der August-Läpple-Straße.